Mentale Ausdauer bestimmt den Weg

Hallo Gundi,

das erste Mal habe ich dich beim 25 Stundenlauf 2017 hier in Wiesbaden gesehen – als du als Single Starterin dort allein deine Runden gedreht hast. Wahnsinn! Das hat mich enorm beeindruckt! Daraufhin haben wir uns hier und da immer mal wieder getroffen. Du bist ja quasi aus der Wiesbadener Laufszene nicht mehr wegzudenken. 

Vielen lieben Dank für die lieben Worte, aber ehrlich gesagt möchte ich mich hier auch erstmal bei dir bedanken. Du hast es geschafft nun 800!!!!! Interessierte in die Laufgruppe zu integrieren und machst dir so viel Arbeit und Mühe die Gruppe zusammen zu halten. Hut ab!!!

(Anm.: Tausend Dank 🙂 das mache ich gerne!) 

Schön, dass ich heute die Gelegenheit habe, ein paar Fragen zu dir und deinem Läuferleben zu stellen. 

Wie lange läufst du schon und wie hat sich das bei dir entwickelt?

Ich laufe nun seit über 30 Jahre, aber Laufen ist irgendwie nicht gleich laufen…Sportlich war ich schon immer und habe viele verschiedene Sportarten ausprobieren und kennenlernen dürfen. So war für mich direkt klar, dass ich Sport auf Lehramt studieren wollte. Laufen spielte da aber noch keine Rolle.

Sport hat sie schon immer begleitet!

Im Studium half mir meine Vielseitigkeit und stellte mich vor keine großen Schwierigkeiten, bis plötzlich mein Dozent im Schwimmen Defizite bei meiner Schwimmtechnik feststellte, die nur durch einen gezielten Kraulkurs und -training behoben werden konnten… – So fragte ich im ansässigen Schwimmverein an, ob ich mit trainieren könne, aber das ging nicht ( ch war ihnen zu gesellig 😉 ), aber bei den Triathleten freute man sich. Und das war der Anfang einer absoluten Faszination. Schnell lernte ich nicht nur das Schwimmen, sondern auch die Sprüche der Triathleten: „Bin mal eben 50-100 km geradelt und dann noch locker ‘nen 10er gelaufen.“  Was für Angeber…- irgendwann sagte ich: “das kann ich auch” – wohlwissend, dass ich weder radfahren noch laufen konnte… – und hier begann die Faszination. 

Gerade beim Laufen hatte ich weder die Puste noch die Muskulatur, geschweige denn den Ehrgeiz schnell zu laufen. Alles, nur nicht anstrengen… – so lief ich auch meinen ersten Marathon – nur durch eine Wette motiviert und ohne gezieltes Training: Wenn ich es schaffen würde unter 5h ins Ziel zu kommen, dann würde ich einen 1-wöchigen Skiurlaub geschenkt bekommen… nach 4:57h kam ich mit Krämpfen, aber überglücklich ins Ziel.

So wusste ich , wenn ich einen Marathon laufen kann, dann fehlen nur noch 3,8km schwimmen und 180km radeln…. – eine neue Idee war geboren!

Im Verein wurde ich eher belächelt, da ich weder das eine noch das andere gut konnte, aber ich war mir sicher, dass ich das auch kann. So stand ich 1998 zu ersten Mal bei einem Ironman am Start. Schwimmen und Radfahren liefen erstaunlich gut, aber schon beim Absteigen vom Rad war klar – ich kann keinen Meter mehr laufen! Mir tat alles weh, aber gehen: das ging…- und da man 15 Stunden Zeit hat für eine Langdistanz, bin ich dann die Marathonstrecke komplett gegangen. 

Und so dauerte meine Entwicklung beim Laufen eine gefühlte Ewigkeit. Ich lief immer gerne, aber schnell war ich nie, ausdauernd (bis zum Marathon) immer.

2013 begann dann meine “Ultra”-Laufzeit. Mein letzter Triathlon lag 5 Jahre zurück, so lange hing auch mein Rad in der Garage und meine Schwimmsachen lagen in einer Kiste deponiert. Die Laufschuhe wurden dagegen häufiger geschnürt. Mit Kindern war dies einfach kompatibler.

2013 nahm mich meine Freundin mit nach Thüingen zum Thüringen Ultra (100km) und war überzeugt, dass wir beide diese Distanz locker schaffen. Ich war zwar weit davon entfernt, habe mich aber auf die gemeinsame Zeit mit ihr gefreut und habe mir keine großen Gedanken darüber gemacht. Dieser Lauf war so ein Erlebnis und sooo genial, dass ich bis jetzt dabei geblieben bin. Interessanter Weise kann ich nun auch schneller laufen, da ist irgendwann der Knoten geplatzt.

Gundi dient vielen als Motivation und läuft gedanklich auch mal für diejenigen, die nicht laufen können.

Wo läufst du am liebsten? Und was: Trails oder Asphalt? 

Ich laufe am liebsten und am besten in Gesellschaft. Ob Trail oder Asphalt ist mir eigentlich egal, aber das Miteinander ist für mich oft das schönste Geschenk. Oft genieße ich auch meine eigene Gesellschaft, denn wenn ich dann nach Hause komme bin ich ein neuer Mensch. Dunkle Gedanken oder Sorgen haben sich an der frischen Luft in helle und freundliche Gedanken verändert. 

Wie eingangs erwähnt, bist du in Wiesbaden den 25 Stundenlauf schon mehrfach als Solo-Teilnehmerin gelaufen, das heißt: 25 Stunden die 925 m lange Runde im Kreis laufen. Wie schaffst du das: zum einen konditionell, zum anderen mental?

Ehrlich gesagt mache ich mir im Vorfeld nicht so viele Gedanken. Ich laufe einfach. Der Kurpark hat so eine tolle Atmosphäre, die trägt einen über die Runden. Es ist erstaunlich wie genial die Wiesbadener da zusammenstehen und zusammen für den guten Zweck kämpfen. Wenn es bei mir dann schwerer wurde habe ich mir überlegt für wen ich denn nun mal eine Stunde laufen kann. Es gibt so viele liebe Menschen, die froh wären, wenn sie sich nur etwas bewegen könnten. In Gedanken waren sie dann bei mir und haben mir Kraft gegeben.

Welche Beschwerden und / oder Verletzungen hast du vom Laufen schon davon getragen? Und was hast du dagegen unternommen? 

Ich bin sooo glücklich, dass ich bis jetzt vor Verletzungen verschont geblieben bin. Es hängt bestimmt damit zusammen, dass ich selten schnell laufe, sondern lieber langsam und gemütlich.

Betreibst du auch alternative Sportarten? 

Wenn es sich ergibt versuche ich mich an anderen Sportarten wie Golf, Wasserski, Yoga, Stand-up-paddling und andere, um dann aber festzustellen, dass ich einfach super gerne laufe, radle oder schwimme. 

Wo siehst du den Laufsport in 2021? 

Ohje, schwierig. Ehrlich gesagt glaube ich, dass im Ultrabereich das Laufen möglich sein wird, da die Abstände zwischen den Läufern oft groß sind. Marathon oder Stadtmarathon sehe ich genauso wenig wie kleinere Vereinsläufe auf Distanzen wie 5, 10, 15 oder 21km. Hier wird es schwierig sein, Abstände einzuhalten. Ich hoffe und wünsche mir, dass die Veranstalter das überleben und dass wir bald wieder gemeinsam und unbeschwert laufen können. 

Der Sport steht ihr gut!

Vielen Dank für das tolle Interview und deine Offenheit.  Bis bald auf den Strecken in und um Wiesbaden. 

Das Interview wurde geführt von Ann-Cathrin Thel, Gründerin der Laufgruppe #werunwiesbaden.

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Bilder: Gundi Weckenmann